Nachhaltigkeit im E-Commerce: 5 Tipps für einen nachhaltigeren Handel

Aktualisiert: 08. Februar 2024

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E-Commerce Handel & Vertrieb

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt weltweit immer mehr an Bedeutung und ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen. So auch im E-Commerce. Konsumenten hinterfragen zunehmend ihr Kaufverhalten, wobei vor allem das gestiegene Interesse am Klimaschutz eine treibende Kraft ist. Doch welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit im E-Commerce und wie lässt sie sich in der Praxis überhaupt umsetzen? In diesem Artikel geben wir Antworten auf diese Fragen.

Nachhaltigkeit im E-Commerce: Ein Widerspruch in sich?

Wer an E-Commerce denkt, stellt sich oft ein dynamisches Business mit vollen Lagern und blitzschnellen Lieferzeiten vor. Der Begriff Online-Shopping wird dabei häufig als Synonym für den elektronischen Handel verwendet. Dabei wird im Internet eingekauft, die Ware nach Hause geliefert, getestet und im Zweifelsfall wieder zurückgeschickt. Das ist zwar sehr verbraucherfreundlich, aber alles andere als nachhaltig.

Definition E-Commerce
E-Commerce ist der elektronische Handel über das Internet, bei dem Produkte und Dienstleistungen online angeboten, gekauft und verkauft werden. Er umfasst verschiedene Modelle wie Online-Shops, Marktplätze und digitale Plattformen.

 

Es stellt sich also die Frage, wie E-Commerce und Nachhaltigkeit überhaupt vereint werden können. E-Commerce ist tendenziell nicht nachhaltig, was vor allem auf verschiedene Umweltauswirkungen zurückzuführen ist. Dazu gehören der intensive Einsatz von Verpackungsmaterialien, klimaschädliche Logistikprozesse, hohe Retourenquoten, der Energieverbrauch von Infrastrukturen wie Rechen- und Logistikzentren sowie die Schnelllebigkeit der Technologien, die zu Elektronikschrott führt. All diese Faktoren tragen zu einer negativen Umweltbilanz des E-Commerce bei. Es gilt also, genau an diesen Faktoren anzusetzen und zu versuchen, sie zu optimieren.

 

Der Druck, den E-Commerce nachhaltiger zu gestalten, wächst. Aber warum?

Während auch Unternehmen mit grundsätzlich nachhaltigen Geschäftsmodellen derzeit digital an Präsenz gewinnen, betreiben heute fast alle Unternehmen E-Commerce. Denn in Zeiten der Digitalisierung kann es sich kaum ein Unternehmen leisten, nicht auf Omnichannel-Marketing zu setzen, quasi täglich ergeb sich neue Handelstrends. Wie so oft wird die Wirtschaft auch in diesem Fall von den Interessen der Kunden gelenkt. So ist es neben dem Verantwortungsbewusstsein der Unternehmen selbst vor allem das gestiegene Interesse der Kunden an umweltbewusstem Konsum, dass die Nachhaltigkeit im E-Commerce vorantreibt. Gerade die jüngeren Generationen legen immer mehr Wert auf die Herkunft und Herstellung von Produkten. So werden Verpackungsmaterialien, Lieferketten oder auch Produkte zunehmend hinterfragt. Unternehmen, die im E-Commerce erfolgreich sein wollen, müssen diese wachsende Käuferschicht ernst nehmen und sich verstärkt um sie bemühen. Gerade wegen der oben beschriebenen Widersprüche erscheint dies als Herkulesaufgabe. Das ist aber nicht richtig. Wir zeigen auf, wie Unternehmen bereits durch kleine Anpassungen und eine gesteigerte Wahrnehmung ihr Nachhaltigkeitsniveau anheben können.

 

Tipp 1: Nachhaltige Verpackungen

Die Verpackung ist ein erster wichtiger Hebel, da sie für den Kunden ein wichtiger Aspekt ist und beim Versand direkt ins Auge fällt. Oberstes Ziel sollte es sein, den Verpackungsabfall zu minimieren und gleichzeitig eine Materialreduzierung anzustreben.

Reduktion von Verpackungsmüll: Was logisch klingt, ist in der Praxis nicht immer Routine. Die Verpackung selbst sollte der Größe des Produkts angepasst sein, denn eine Tasse braucht beispielsweise keine Verpackung in der Größe eines Schuhkartons. So kann effizient Verpackungsmüll reduziert werden.

Umweltfreundliche Materialien: Bei der Verpackung sollte auf nachhaltige Materialien geachtet werden. Plastik, Luftpolsterfolie etc. sind effizient und kostengünstig, aber nicht nachhaltig. Daher sollte auf recycelbare Materialien wie Karton gesetzt werden. Darüber hinaus entstehen derzeit eine Vielzahl nachhaltiger Füllmaterialien, die umweltschonend hergestellt werden und später oft sogar einen weiteren Zweck erfüllen können. So können beispielsweise Verpackungschips aus Maisstärke oder Hanf später auf dem Kompost abgebaut oder sogar als Dünger wiederverwendet werden.

Tipp 2: Nachhaltige Versandoptionen

Während der operative Teil des Versands häufig von externen Dienstleistern übernommen wird, die zunehmend auch auf emissionsfreie Transportmöglichkeiten setzen, können auch Unternehmen ihren Versand anpassen.

Vermeidung von Expressversand: Für viele Kunden steht der Expressversand und die damit verbundene schnelle Lieferung ganz oben auf der Prioritätenliste. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollte ein solcher Versand, der mit einem erhöhten CO2-Ausstoß verbunden ist, jedoch möglichst vermieden werden. Eine Option könnte daher sein, den Kunden neben dem Expressversand auch einen nachhaltigen Versand anzubieten. So könnten beispielsweise Teillieferungen gebündelt, Routen effizienter geplant und Emissionen eingespart werden.

Integration von Click & Collect: Mit einem Klick online bestellen und anschließend vor Ort abholen. Click & Collect kombiniert das Beste aus beiden Welten. Durch die direkte Abholung im Geschäft gibt es weniger Versandverpackung, Transportwege werden verkürzt und Ressourcen effizienter genutzt. Die Kunden profitieren von einer schnellen Verfügbarkeit der Produkte und haben die Möglichkeit, lokale Geschäfte zu unterstützen.

Effizientes Retourenmanagement: Transparente Produktinformationen und klare Größenangaben helfen Kunden, Fehlkäufe zu vermeiden und die Zahl der Rücksendungen zu reduzieren.
 

Tipp 3: Nachhaltiges Lieferkettenmanagement

Eine nachhaltige Lieferkette zeichnet sich durch umweltfreundliche Praktiken, soziale Verantwortung, ethische Integrität, Transparenz und Innovation aus. Sie fördert faire Arbeitsbedingungen, respektiert die Menschenrechte, minimiert die Umweltauswirkungen, setzt auf ethische Geschäftspraktiken und nutzt innovative Ansätze, um langfristige Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Viele dieser Punkte sind auch im deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz verankert, welches auch für KMU relevant ist. Um dieses Ziel zu unterstützen, ist es wichtig, Transparenz in der Lieferkette zu schaffen, zum Beispiel durch den Einsatz von Cloud-ERP-Systemen, die Echtzeitdaten ermöglichen. Die Zusammenarbeit mit Lieferanten ist dabei entscheidend, um nachhaltige Praktiken zu fördern, und regelmäßige Bewertungen der Lieferkette helfen dabei, Schwachstellen zu identifizieren und kontinuierlich zu verbessern.

Tipp 4: Nachhaltiges Produktsortiment

Eine weitere, wenn auch etwas größere Veränderung ist die Anpassung der Produktpalette und das vermehrte Angebot nachhaltiger Produkte. Dabei können bestehende Produkte im Sinne der Nachhaltigkeit optimiert oder gänzlich neue Produkte hinzugefügt werden. Stellt ein Unternehmen beispielsweise Rucksäcke oder Taschen her und vertreibt diese über einen Onlineshop, könnte die Materialbeschaffenheit der Produkte überdacht werden. Können nachhaltigere, recycelbare Materialien und Stoffe verwendet werden? Es können sowohl einzelne Aspekte wie der Reißverschluss als auch der Rucksack als Gesamtprodukt überdacht werden. Dabei ist es wichtig, die Kundenbedürfnisse und auch die Marktanforderungen genau zu analysieren.

Tipp 5: Nachhaltigkeit braucht Transparenz

Tue Gutes und rede darüber, das Zitat ist aktueller denn je: Engagement für Nachhaltigkeit sollte offen kommuniziert werden. Unternehmen sollten offen und ehrlich über ihre Geschäftspraktiken, ihre Umweltauswirkungen und ihre soziale Verantwortung berichten. Dazu gehören Informationen über die Herkunft der Rohstoffe, die Produktionsbedingungen, den Energieverbrauch, die CO2-Bilanz, oder das Abfallaufkommen zu teilen. Durch die transparente Kommunikation dieser Daten können Unternehmen das Vertrauen der Verbraucher gewinnen und zeigen, dass sie sich aktiv um nachhaltiges Handeln bemühen. Transparenz ermöglicht es den Kunden auch, bewusste Entscheidungen zu treffen und Produkte zu wählen, die ihren eigenen Nachhaltigkeitswerten entsprechen. Letztendlich trägt Transparenz dazu bei, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schärfen und einen positiven Wandel hin zu einer umweltfreundlicheren und ethischeren Wirtschaft zu fördern.

Vorsicht vor Greenwashing! Damit ist die irreführende oder falsche Darstellung eines Produktes oder einer Dienstleistung gemeint, um dem Unternehmen ein umweltfreundlicheres Image zu verleihen. Seien Sie ehrlich, optimieren Sie Ihr Unternehmen im Sinne der Nachhaltigkeit und kommunizieren Sie kleine Erfolge, anstatt Meilensteine zu erfinden.

Nachhaltigkeit im E-Commerce: Mit Cloud-ERP neue Maßstäbe setzen

Durch die Integration eines Cloud-ERP-Systems können Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsbemühungen verstärken. Durch die Nutzung von Echtzeitdaten und -analysen können Verpackungs- und Versandprozesse optimiert werden, um Verpackungsmüll zu reduzieren und umweltfreundliche Materialien zu verwenden. Das System verbessert die Transparenz in der Lieferkette, indem es Unternehmen hilft, die Herkunft von Rohstoffen zurückzuverfolgen und sicherzustellen, dass sie ethische und nachhaltige Praktiken fördern. Es erleichtert auch die kontinuierliche Überwachung und Anpassung von Nachhaltigkeitszielen, wodurch Unternehmen nicht nur ihre Umweltauswirkungen minimieren, sondern auch ihre betriebliche Effizienz steigern und das Vertrauen der Kunden in ihre Marke stärken können.